Naturgefahren und die Belastung von Landeshaushalten

Im Auftrag der Bundesländer analysierte das WIFO gemeinsam mit der BOKU die Belastung der Landeshaushalte durch Naturgefahren. Neben Dürre fokussiert die Studie auf Hochwasserereignisse, da in diesem Bereich in der Vergangenheit die größten Schäden entstanden sind. Konkrete Vorschläge zeigen den Gestaltungsspielraum von Behörden auf, um der Hochwassergefahr in der österreichischen Raumplanung Rechnung zu tragen.

Landeshaushalte werden im Katastrophenfall signifikant belastet: Einerseits tragen die Länder die Hälfte der durch Katastrophen bedingten Schäden am eigenen Vermögen selbst. Die Länder sind außerdem zu 40 % an den Schadensleistungen für Private (Personen, Haushalte und Unternehmen) beteiligt. Zudem übernehmen die Bundesländer in der Regel ein Drittel der Kosten, die mit der Instandhaltung von Schutzanlagen zur Gefahrenabwehr verbunden sind und tragen auch erheblich zur Finanzierung der Neuerrichtung und Erweiterung solcher Anlagen bei. Andererseits werden Landesmittel auch in erheblichem Umfang dafür eingesetzt, um vorsorgende Investitionen zur Schadensabwehr zu finanzieren.

Ziel der interdisziplinären Studie „Naturgefahren und die Belastung von Landeshaushalten“ ist es, für Verantwortliche in den Bundesländern relevante Entscheidungsgrundlagen zu entwickeln. Dazu wurden unterschiedliche Themenbereiche untersucht. Ein besonderes Augenmerk ist auf das Thema Hochwasser gerichtet, da mit dieser Naturgefahr großes Schadenspotential verbunden ist und gleichzeitig eine Reihe von Möglichkeiten besteht, es zu begrenzen. Nach Konsultationen mit den Bundeländern wurde ein zusätzlicher Fokus auf raumplanungsrelevante Steuerungsmöglichkeiten gelegt.

Zahlungsströme für Prävention und Schadenskompensation

Im ersten Abschnitt der Studie werden auf Basis von Unterlagen des Katastrophenfonds die Ausgaben für Maßnahmen zum Schutz vor Naturgefahren sowie die Ausgaben für die Kompensation von Schäden erhoben. Das Augenmerk liegt auf den Zahlungsströmen der Landeshaushalte zur Schadensdeckung von Privatpersonen, Unternehmen und der Landwirtschaft im Katastrophenfall. Abbildung 1 liefert einen Überblick über die Abschätzung der Gesamthöhe der nationalen öffentlichen Mittel zur Abdeckung von katastrophenbedingten Schäden.

Tabelle zur Abschätzung der Gesamthöhe der nationalen öffentlichen Mittel zur Abdeckung katastrophenbedingter Schäden insgesamt
Abschätzung der Gesamthöhe der nationalen öffentlichen Mittel zur Abdeckung katastrophenbedingter Schäden insgesamt (HWG-Beträge sind den Schadenjahren zugeordnet). Quelle: WIFO 2016 (WIFO-Berechnungen auf der Grundlage von Berichten des Katastrophenfonds); (HWG = Hochwasseropferentschädigungs- und Wiederaufbau-Gesetze)

Aktuelle und künftige Gefährdung durch seltene Hochwasserereignisse auf kleinräumiger Ebene

In einem weiteren Teilbereich wird untersucht, ob seltene Ereignisse (300jährliche Hochwasserereignisse) hohe Schäden verursachen können und in welchem Ausmaß Personen und Gebäude durch seltene Ereignisse potenziell betroffen sind. Um die Ergebnisse für Entscheidungstrage de  vor Ort nutzbar zu machen, wurden auch Auswertungen auf Gemeindeebene durchgeführt.

Bezüglich der Abschätzung der Gefährdungslage der Bevölkerung zum gegenwärtigen Zeitpunkt besteht eine gute Datenlage. Die Auswertungen zeigen, dass die Zahl von potentiell gefährdeten Personen in Zonen mit geringer Überflutungswahrscheinlichkeit (HQ300 bis HQ100) grundsätzlich relativ gering ist.

Zur Dynamik der Bevölkerungsentwicklung in den unterschiedlichen Gefährdungszonen gibt es nur unzulängliche Datengrundlagen. Der Vergleich der Bevölkerungsanzahl in Rasterzellen zwischen den Jahren 2001 und 2011 gibt jedoch Anhaltspunkte. Die ausgewerteten Daten liefern Hinweise, dass vor allem in den Bundesländern Niederösterreich, Tirol und Vorarlberg die Zunahme der Bevölkerung in Zonen mit geringer Hochwassergefährdung (HQ300 bis HQ100) besonders stark war.

Dürrerisiko für die Landwirtschaft kleinräumig analysiert

Neben dem Hochwasserrisiko wurde auch die Gefahr von Dürre untersucht und auf kleinräumiger Ebene das Dürrerisiko für landwirtschaftliche Kulturen ausgewiesen. Die Auswertungen zeigen jene Regionen, die in besonderem Maß gefährdet sind bzw. dieser Gefahr in geringerem Maß ausgesetzt sind. Abbildung 2 stellt die Verteilung der Anzahl der trockenen und feuchten Sommer in den Regionen Österreichs zwischen 1975 und 2007 dar.

Kartenvergleich zur Verteilung der Anzahl der "trockenen" und "feuchten" Jahre in den Regionen Österreichs zwischen 1975 und 2007.
Verteilung der Anzahl der "trockenen" und "feuchten" Jahre in den Regionen Österreichs zwischen 1975 und 2007. Quelle: WIFO 2016 (Mitter auf Basis von Strauss, Moltchanova und Schmid, 2013).

Wie können künftige Schadenspotenziale bewertet werden?

Der zentralen Frage, ob aus vergangenen Hochwasserereignissen auf die Schäden künftiger Ereignisse rückgeschlossen werden kann, widmet sich ein weiterer Abschnitt dieser Studie. Die Ergebnisse zeigen, dass die Datengrundlage über die Gefährdung von Objekten im Jahr 2001 Erklärungsansätze für die Schäden des Hochwassers im Jahr 2002 liefert. Die Auswertung deckt allerdings auch auf, dass für genauere Schätzungen mehr Detailinformationen über die Schäden nötig wären.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass auf Basis dieser Analyse wichtige Faktoren zur Erklärung der Schadenssumme bei einem Hochwasserereignis identifiziert werden konnten – wie etwa die Zahl der gefährdeten Objekte, Wasserhöhe, Art der Gebäudenutzung und Betroffenheit landwirtschaftlicher Flächen. Eine Prognose der Schadenshöhe auf Gemeindeebene ist jedoch mit einer gewissen Unsicherheit behaftet.

Raumordnungsinstrumente einsetzen um Restrisiken zu steuern

Die Raumordnung ist ein zentrales Instrument der Länder, um auf das Ausmaß künftiger Schäden Einfluss zu nehmen. Im abschließenden Kapitel wird anhand von Fachliteratur sowie Raumordnungs- und Baugesetzgebung der Bundesländer analysiert, inwieweit Hochwasserrestrisikobereiche in der Raumplanung berücksichtigt werden. Darauf aufbauend werden Optionen zum Umgang mit Restrisiken in den Raumplanungsinstrumenten vorgeschlagen, deren Effektivität und Umsetzbarkeit basierend auf Expert/-inneneinschätzungen aus Raumplanung und (Schutz)Wasserwirtschaft evaluiert wurden. (Juni 2016)