Zweiter Fortschrittsbericht zeigt erkennbare Fortschritte und weiteren Handlungsbedarf

Die Folgen des Klimawandels wie Hitze, Dürre und extreme Wetterereignisse sind auch in Österreich immer stärker spürbar. Die Dringlichkeit sich anzupassen, ist im Steigen begriffen. Der zweite Fortschrittsbericht zeigt auf, dass seit 2015 verstärkt Anpassungsaktivitäten gesetzt werden, sowohl in den Fachbereichen als auch auf regionaler und lokaler Ebene. Es besteht aber auch erheblicher weiterer Anpassungsbedarf.

Die Anpassung an die Folgen des Klimawandels ist eine langfristige Aufgabe, die uns noch Jahrzehnte beschäftigen wird. Die österreichische Strategie zur Anpassung an den Klimawandel bildet seit 2012 einen umfassenden Rahmen, um sukzessive die notwendigen Schritte zu setzen. Um den Stand der Umsetzung systematisch darzustellen und damit Fortschritte und weiteren Anpassungsbedarf aufzuzeigen, ist eine wiederkehrende Überprüfung des Umsetzungsstandes im Fünfjahresrhythmus vorgesehen.

Mit dem am 8. September 2021 im Ministerrat verabschiedeten zweiten Fortschrittsbericht liegt nun eine aktuelle Darstellung zum Stand der Umsetzung von Anpassung in Österreich vor. Der umfassende Bericht bewertet den Fortschritt in der Anpassung seit Veröffentlichung des ersten Fortschrittsberichts im Jahr 2015. Konkret zeigt er den Trend in der Umsetzung für die 14 Aktivitätsfelder auf, stellt erfolgreiche Praxisbeispiele vor und weist auf den weiteren Anpassungsbedarf hin.

Anpassung hat stark an Bedeutung gewonnen

Die extremen Wetterereignisse der letzten Jahre haben dazu beigetragen, dass die Anpassung allgemein an Dynamik gewonnen hat und in den unterschiedlichen Sektoren bis hin zur kommunalen Ebene österreichweit verstärkt in Angriff genommen wurde. Die Erfolge sind positiv zu bewerten, die begonnenen Aktivitäten gilt es beizubehalten und weiter auszubauen. Der Bericht weist aber auch darauf hin, dass weiterer Anpassungsbedarf besteht.

Positiv bewertet werden exemplarisch folgende Punkte:

  • Das Bewusstsein zum Bodenschutz in der Landwirtschaft steigt kontinuierlich
  • Der Trend zu laubholzreichen Mischbeständen in der Forstwirtschaft setzt sich fort
  • Fortschritte wurden im adaptiven Hochwasserrisikomanagement erzielt, zusätzlich geschaffene Retentionsräume tragen wesentlich zum Schutz vor Hochwasser und Naturgefahren bei
  • Maßnahmen zur Verbesserung der Durchgängigkeit und Morphologie von Fließgewässern tragen zur Verbesserung der Gewässerökologie bei
  • Der Schutz vor Hitze hat beim Neubau und in der Sanierung an Bedeutung gewonnen, Fassaden- und Dachbegrünungen werden zunehmend gefördert
  • Nachhaltiger Tourismus liegt erkennbar im Trend und Tourismusbetriebe sind zunehmend mit den österreichischen Umweltzeichen zertifiziert
  • Prognose- und Frühwarnsysteme werden laufend weiterentwickelt
  • Zahlreiche Informations- und Bewusstseinsbildungsmaßnahmen zu Naturgefahren wurden und werden durchgeführt
  • Als Reaktion auf die Zunahme von Hitzewellen sind Hitzewarndienste und Hitzeschutzpläne etabliert

Anpassung findet verstärkt auf regionaler Ebene statt

Anpassung braucht es insbesondere dort, wo die Bevölkerung wohnt und mit den Auswirkungen des Klimawandels laufend konfrontiert ist: in den Gemeinden und Städten. Dazu sind eine Reihe von Aktivitäten im Laufen. Mit den Klimawandelanpassungsmodellregionen (KLAR!) wurde im Jahr 2016 eine europaweite Vorzeigeinitiative geschaffen, in der aktuell 74 Regionen Anpassungsmaßnahmen umsetzen bzw. entwickeln. Mit dem Vorsorgecheck Naturgefahren wurde ein Instrument zur Stärkung der Eigenvorsorge auf kommunaler Ebene geschaffen. Der im Rahmen einer Bund-Länder Arbeitsgruppe initiierte Check hat zum Ziel, für die lokal relevanten Naturgefahren zu sensibilisieren sowie das Risikobewusstsein und die Vorsorgekapazität im Wirkungsbereich von Gemeinden zu erhöhen. Beratungsangebote und Informationsmaterialien sowie Unterstützungsangebote der meisten Bundesländer runden die Aktivitäten ab.

Vernetzung und Zusammenarbeit weiterhin notwendig

Anpassung ist ein sehr breit gefächertes Querschnittsthema und betrifft nicht nur viele Handlungsfelder, sondern auch die unterschiedlichen Verwaltungsebenen, Wirtschaftstreibende bis hin zu Einzelpersonen. Bei Planung und in der Umsetzung braucht es eine sektorübergreifende Betrachtung und enge Kooperation aller betroffenen Akteurinnen und Akteure, um Synergien zu nutzen und Fehlanpassung zu vermeiden. Der Bericht empfiehlt, die Abstimmung und Zusammenarbeit sowohl innerhalb der Sektoren als auch über die jeweilige Disziplin deutlich zu forcieren, um Synergien besser zu nutzen und Fehlanpassung zu vermeiden.

Weiterer Handlungsbedarf gegeben

Wetter- und klimawandelbedingte Schäden verursachen in Österreich bereits heute Kosten von durchschnittlich zumindest 2 Mrd. Euro pro Jahr. Bis 2030 werden durchschnittlich jährliche Schäden in der Höhe von mindestens 3 Mrd. bis 6 Mrd. Euro erwartet. Dies unterstreicht die Dringlichkeit, weitere Anpassungsschritte in Angriff zu nehmen.

Auch wenn die Bedeutung von Anpassung seit dem ersten Fortschrittsbericht deutlich zugenommen hat, lässt sich aus dem zweiten Fortschrittsbericht aber auch klar ableiten, dass trotz der erkennbaren Fortschritte in allen Aktivitätsfeldern noch deutlicher weiterer Handlungsbedarf gegeben ist. Die Auswirkungen des Klimawandels werden in relevanten strategischen Entscheidungen immer noch unzureichend berücksichtigt. Damit wird ein zentrales Ziel der österreichischen Anpassungsstrategie nach wie vor nicht erfüllt. Klimawandelanpassung noch stärker mitzudenken und ihr auf der politischen Agenda einen höheren Stellenwert beizumessen, wird mit fortschreitendem Klimawandel zunehmend dringlicher.

Der Weg zum zweiten Fortschrittsbericht

Der zweite Fortschrittsbericht basiert auf zwei Strängen, einer systematischen Bewertung von vergleichbaren qualitativen und quantitativen Daten (den Kriterien) und einer grundsätzlichen Beurteilung des Fortschritts auf Basis einer Einschätzung durch Expertinnen und Experten. Die fachliche Einschätzung zum Stand der Umsetzung wurde im Rahmen von interaktiven Workshops erhoben, zu denen Expertinnen und Experten aus Ministerien, den Landesverwaltungen und weiteren relevanten Institutionen eingeladen waren. Zusätzlich werden im zweiten Fortschrittsbericht verstärkt Good-Practice Beispiele zur Anpassung vorgestellt. Die vielfältigen Praxisbeispiele zeigen auch, dass das Thema Anpassung besonders auf regionaler und lokaler Ebene an Dynamik gewonnen hat. Ein Entwurf des Berichts wurde im April 2021 allgemein zur Begutachtung ausgeschickt und entsprechend den eingelangten Stellungnahmen überarbeitet.

Der zweite Fortschrittsbericht besteht aus dem Hauptteil des Berichts sowie der dazugehörigen Executive Summary mit den wesentlichen Aussagen aus dem umfassenden Langbericht. (MB, September 2021)

Weitere Informationen

Der zweite Fortschrittsbericht