Aktuelle Ergebnisse: Eigenvorsorge, Absiedlung, Schutzwald und Vogelfauna

Die Ergebnisse der StartClim-Projekte unterstützen seit Jahren die Umsetzung der österreichischen Anpassungsstrategie. Aktuelle Ergebnisse befassen sich schwerpunktmäßig mit dem Schutz vor Naturgefahren. Im Vordergrund stehen dabei Eigenvorsorge, Absiedlung und der Schutzwald. Ein weiteres Projekt befasst sich mit dem Einfluss des Klimawandels auf die Vogelfauna.

Anpassung an den Klimawandel ist eine komplexe und langfristige Aufgabe, die uns noch viele Jahre begleiten wird. Die Projekte in StartClim2015 widmeten sich Fragestellungen, die die Umsetzung von Handlungsempfehlungen aus der Anpassungsstrategie wissenschaftlich unterstützen, bzw. notwendige Grundlagen für die konkrete Planung und Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen liefern. Im Vordergrund standen Themen wie die Stärkung der Eigenvorsorge, die Absiedlung nach Hochwasserereignissen, die Rolle des Schutzwaldes und der Einfluss des Klimawandels auf Brutvögel.

Evaluierung der Eigenvorsorge gegen wasserbedingte Naturgefahren

Hochwasserkatastrophen und Starkregenereignisse der letzten Jahre haben hohe Schäden verursacht und zeigen den Handlungsbedarf in der Katastrophenvorsorge und in der Risikoprävention auf. Sich auf diese Entwicklung durch Eigenvorsorge vorzubereiten gewinnt im Rahmen der Risikoprävention zunehmend an Bedeutung. Derzeit wird Eigenvorsorge in Österreich eher punktuell und nicht systematisch betrieben. Es fehlt an Risikobewusstsein. Das Projekt RE-Invent hat daher verschiedene Methoden und Ansätze zur Stärkung der Eigenvorsorge im deutschsprachigen Raum zusammengestellt, und in Workshops mit Expertinnen und Experten jene Maßnahmenkombinationen identifiziert, die am besten geeignet erscheinen, private Anpassung und Objektschutz zu fördern. beschränkt.

Da bisher wenig Bewusstsein bezüglich der Risiken besteht, kann auch keine wirksame Eigenvorsorge betrieben werden. Folglich sind in einem ersten Schritt Maßnahmen zu verstärken, die dieses Defizit beheben, wie z.B. die Verankerung von Naturgefahrenrisiken und Themen der Eigenvorsorge in den Lehrplänen der Schulen. Ist ein grundlegendes Bewusstsein für mögliche Risiken vorhanden, sind Maßnahmen notwendig, die die Bevölkerung vor und während eines Ereignisses zusätzlich sensibilisieren. Eine wesentliche Rolle spielen dabei leicht erreichbare, einheitliche und aktiv kommunizierte Sachinformationen. Dies betrifft insbesondere Warnungen und Gefährdungsinformationen. Zeigen potentiell Betroffene die Absicht Eigenvorsorge zu treffen, sind Maßnahmen notwendig, die nicht nur die Absicht stärken, sondern auch Anreize zur Umsetzung fördern, wie etwa ökonomische Anreize und fachliche Unterstützung. Zusätzlich unterstützen Regelungen, die eine klare rechtliche Zuständigkeit im Bereich Eigenvorsorge festlegen, Eigenvorsorge und den Objektschutz.

Absiedlung von hochwassergefährdeten Haushalten

Der Hochwasserschutz steht vor großen Herausforderungen. Zunehmende Gebäude- und Sachwerte in Risikozonen ziehen ein hohes Schadenspotenzial nach sich, klimawandelbedingt ist mit häufigeren und intensiveren Extremwetterereignissen zu rechnen. Wo konventionelle Hochwasserschutzmaßnahmen nicht ausreichen, wird zunehmend die Absiedlung von Haushalten aus hochwassergefährdeten Gebieten als Alternative diskutiert. Während die rechtlichen Rahmenbedingungen weitgehend geklärt sind, ist im Gegensatz dazu die Diskussion und Umsetzung in den betroffenen Gemeinden durch ein sehr hohes Konfliktpotenzial gekennzeichnet. Bislang fand keine systematische Begleitforschung statt, um zu zeigen, wie Absiedlungsprozesse gestaltet werden können, negative soziale Folgewirkungen zu verringern und die Akzeptanz durch die Bevölkerung zu erhöhen.

Im Eferdinger Becken mussten sich nach dem Jahrhunderthochwasser 2013 146 Haushalte bis Ende 2015 für oder gegen die Annahme eines Absiedlungsangebots entscheiden. Durch Interviews mit 78 betroffenen Haushalten wurden die individuellen Beweggründe für oder gegen die Absiedlung erhoben. Die Entscheidung wird von den Bewertungen des Hochwasserrisikos, den wirtschaftlichen Folgen, aber auch von emotionalen Aspekten wie den eigenen Lebensumständen beeinflusst. Politik und Behörden haben in einer auf der Vernunftebene geführten Diskussion nur kleine Ausschnitte der Risikobewertungen und der wirtschaftlichen Überlegungen der Betroffenen angesprochen, und die emotionale Ebene beinahe gänzlich ausgeklammert. Bei zukünftigen Absiedlungsprojekten sollte daher eine Person oder Institution den politischen Prozess zwischen allen Beteiligten mit Einfühlungsvermögen, neutral und glaubwürdig moderieren. Dennoch sollten alle an dem Prozess Beteiligten die Verantwortung für das Gelingen einzelner Teile des Prozesses übernehmen, etwa hinsichtlich der Erwartungen, der Beteiligung, der Transparenz und der Ermächtigung zu für den Einzelnen befriedigenden Entscheidungen.

Schutzfunktionalität und Risikoprofile für österreichische Schutzwälder im Klimawandel

Waldökosysteme sind, unter anderem aufgrund ihrer Langlebigkeit und ihres langsamen Reaktionsvermögens, besonders stark durch einen möglichen Klimawandel betroffen. Fast ein Fünftel des österreichischen Waldes ist Schutzwald, d.h. Wald der Siedlungsgebiete vor Elementargefahren oder schädigenden Umwelteinflüssen schützt. Um zu untersuchen ob und in welchem Ausmaß der Wald künftig vor Lawinen, Hangrutschungen, Muren und Steinschlag schützen kann, wurden Modelleberechnungen über die zukünftige Bestandesentwicklung für den Zeitraum 2000-2100 durchgeführt. Sechs unterschiedliche Bewirtschaftungskonzepten wurden untersucht. Zusätzlich wurden auch Störungen und Borkenkäferbefall mit berücksichtigt. Um die unterschiedlichen waldökologischen Bedingungen im österreichischen Wald zu erfassen, wurden insgesamt 15 Regionen und jeweils bis zu 5 Höhenzonen untersucht.

Insgesamt bestätigen die Ergebnisse die Erwartung, dass in fichtenreichen Waldtypen im Klimawandel Störungen entscheidend dafür sein werden, ob der Wald seiner Schutzfunktion gerecht wird. Mittel- bis langfristig bewirkt dauerhaft hoher Verbissdruck geringere Baumartenvielfalt und mangelnde Waldverjüngung. Dies wirkt sich unmittelbar auf die Anfälligkeit für Borkenkäferschäden und die Resilienz der Wälder aus. Entsprechend geschultes Fachpersonal sowie die Bewirtschaftung gelten als entscheidend dafür, ob der Wald langfristig seine Schutzfunktion aufrechterhalten kann.

Borkenkäferkalamitäten können tiefgreifende, flächige Veränderungen der Walddynamik zur Folge haben und die nachhaltige Funktionalität von Schutzwäldern beeinträchtigen. Für die Einschätzung der aktuellen und der zukünftigen Gefährdung unterschiedlicher Schutzwaldtypen durch Störfaktoren, wurden Risikoprofile für ausgewählte Gebiete in den Ostalpen (Nördliche Kalkalpen, Osttirol, Südtirol) erstellt. Die Berechnungen für verschiedene Borkenkäferarten zeigen, dass die Klimaänderungen in allen untersuchten Regionen und für alle betrachteten Borkenkäferarten mehr Käfergenerationen ermöglichen. Auch werden die Käfer ihren Flug früher im Jahr beginnen. Dies bedeutet, dass Borkenkäferbefall insbesondere in den Hochlagen vermehrt auftreten könnte. Abgeleitete Risikoprofile, die Interaktionen zwischen den verschiedenen Borkenkäferarten und Wetterstörungen sowie potentielle Folgeschäden, können zur Entwicklung geeigneter Anpassungs- und Waldmanagementstrategien im Schutzwald genutzt werden.

Generationszahl des Buchdruckers (Ips typographus), des Kleinen Buchdruckers (Ips amitinus) und des Großen Lärchenborkenkäfers (Ips cembrae) für Waldstandorte in Osttirol für gegenwärtiges und zukünftiges Klima. Man sieht deutlich, dass auch Bereiche, die derzeit für die Vermehrung der Tiere nicht geeignet sind (blau = keine Generation) Mitte, aber insbesondere Ende des Jahrhunderts, aufgrund des Klimawandels Bedingungen aufweisen, die bis zu 2 Generationen mit Geschwistern aufweisen können
Generationszahl des Buchdruckers (Ips typographus), des Kleinen Buchdruckers (Ips amitinus) und des Großen Lärchenborkenkäfers (Ips cembrae) für Waldstandorte in Osttirol für gegenwärtiges und zukünftiges Klima. Man sieht deutlich, dass auch Bereiche, die derzeit für die Vermehrung der Tiere nicht geeignet sind (blau = keine Generation) Mitte, aber insbesondere Ende des Jahrhunderts, aufgrund des Klimawandels Bedingungen aufweisen, die bis zu 2 Generationen mit Geschwistern aufweisen können.

Ziel jeder Bewirtschaftungsstrategie muss deshalb eine Erhöhung der Baumartendiversität und eine kleinflächige Bewirtschaftung sein, um die Widerstandsfähigkeit gegenüber Störungseinflüssen zu erhöhen.  Entsprechend geschultes Fachpersonal sowie die Bewirtschaftung gelten als entscheidend, ob der Wald langfristig seine Schutzfunktion aufrechterhalten kann.

Einfluss des Klimawandels auf die österreichische Vogelfauna

Die Ergebnisse des seit 1998 durchgeführten jährlichen Monitorings der Brutvögel Österreichs bildeten die Grundlage um den Einfluss des Klimawandels auf die Häufigkeit von 76 Vogelarten in Österreich zu beurteilen. Der Großteil der betrachteten Arten zählt aufgrund ihrer Temperaturabhängigkeit zu den „Klimagewinnern“, nur 17 zu den „Klimaverlierern“. Bisherige Ergebnisse weisen darauf hin, dass die meisten Brutvogelarten in Österreich außerhalb des Kulturlandes derzeit vom Klimawandel profitieren. Dies gilt zum Beispiel für die Nachtigall, die durch die Klimaerwärmung ihr Brutareal ausbreiten konnte. Die noch kurze Datenreihe erfordert eine vorsichtige Interpretation der Ergebnisse. Betrachtet man Brutvögel außerhalb des Kulturlands, so entspricht der Verlauf der zusammengesetzten Populationstrends für Klimagewinner und Klimaverlierer in Österreich den gesamteuropäischen Verhältnissen mit gleichbleibendem Trend für Klimagewinner und starker Abnahme bei Klimaverlierern.

Zusammengesetzte Bestandstrends für „Klima-Gewinner“- und „Klima-Verlierer“-Vogelarten ohne den Kulturlandvögeln. Die Nachtigall ist ein Beispiel für eine Art aus der Gruppe der „Klima–Gewinner“, die in Österreich von der Klimaerwärmung profitiert, während die Wacholderdrossel als Mitglied der Verlierergruppe benachteiligt ist.
Zusammengesetzte Bestandstrends für „Klima-Gewinner“- und „Klima-Verlierer“-Vogelarten ohne den Kulturlandvögeln. Die Nachtigall ist ein Beispiel für eine Art aus der Gruppe der „Klima–Gewinner“, die in Österreich von der Klimaerwärmung profitiert, während die Wacholderdrossel als Mitglied der Verlierergruppe benachteiligt ist.

Das Forschungsprogramm StartClim

StartClim wurde im Jahr 2003 auf Initiative der Wissenschaft und vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft gegründet, um die Folgen des Klimawandels zu untersuchen und Gegenmaßnahmen zu entwickeln. An die 100 Projekten mit einer Laufzeit von etwa zehn Monaten befassten sich den Folgen des Klimawandels und trugen zum Ausbau des Wissenstandes bei. StartClim ist als flexibles Instrument gestaltet, um aktuelle Themen rund um den Bereich Klimawandel rasch aufgreifen zu können. Das Programm wird wissenschaftlich von Univ.-Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb vom Institut für Meteorologie der Universität für Bodenkultur Wien geleitet und vom Umweltbundesamt administrativ betreut. Die im Jahr 2015 durchgeführten StartClim-Projekte wurden von BMLFUW, BMWFW, den österreichische Bundesforsten und dem Land Oberösterreich finanziert. (Februar 2017)