ClimateDiseaseRisk - Neue Lebensraum-Modelle für Tigermücken und Riesenzecken

Krankheitsübertragende Gliederfüßer wie die Asiatische Tigermücke und die Tropische Riesenzecke stellen in Österreich ein wachsendes Gesundheitsrisiko dar. Das KIRAS-Projekt ClimateDiseaseRisk untersuchte deren mögliche Ausbreitung, um die Vorsorge gegen entsprechende Krankheitsrisiken zu stärken.

Neue „exotische“ Überträger von Krankheiten breiten sich zunehmend in Österreich aus. Dadurch steigt das Risiko, dass bisher nicht heimische Krankheitserreger eingeschleppt werden. So ist etwa die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) ein bekannter Überträger von Viren wie Zika, Dengue und Chikungunya, während die Tropische Riesenzecke (Hyalomma marginatum) der Hauptüberträger des Krim-Kongo-Fiebers in Europa ist. Das KIRAS-Projekt ClimateDiseaseRisk (finanziert durch das Bundesministerium für Finanzen) untersuchte, wie sich klimatische Veränderungen auf das Auftreten, die Verbreitung und das Etablierungspotenzial dieser krankheitsübertragenden Gliederfüßer auswirken. Ziel des Projekts war es, fundierte Risikobewertungen zu erstellen und diese in Form von Modellen und Handlungsempfehlungen aufzubereiten. Basis dafür waren klimatologische, ökologische und biologische Daten.

Forscherin kniet an kleiner Wasserstelle und sammelt Tigermücken ein.
Baumhöhlen, mit Wasser gefüllte Untersetzer oder kleine Tümpel wie in diesem Grazer Schrebergarten sind häufige Brutstätten für Tigermücken. Bei einer Begehung im Sommer 2024 konnte das Projektteam einige Tigermücken mittels Aspirator (Insektensauger) einsammeln.

Für die Asiatische Tigermücke konnte ein österreichweites Modell zur Abschätzung des Etablierungs- und Ausbreitungspotenzials entwickelt werden. Dieses zeigt, dass bereits unter heutigen klimatischen Bedingungen zahlreiche urbane Gebiete in Österreich geeignete Lebensräume für die Tigermücke darstellen. Der Klimawandel wird die klimatischen Bedingungen für die Etablierung und Ausbreitung der Art in Österreich insgesamt begünstigen. Darüber hinaus wurde auch ein speziell auf die Stadt Graz zugeschnittenes, Experten-basiertes Modell entwickelt. Dieses berücksichtigt lokale Besonderheiten wie Mikroklima, Bebauungsstruktur und bekannte Vorkommen. Dadurch konnten praxisnahe Aussagen für kommunale Entscheidungsträger:innen getroffen werden. Verantwortliche der Grazer Sanitätsdirektion waren von Anfang an im Projekt involviert. Wie die Erkenntnisse aus dem Projekt in die öffentliche Kommunikation eingebaut werden, wird sich in der Sommersaison 2026 zeigen.

Im Bereich der Zeckenforschung ergab sich im Laufe des Projekts die Möglichkeit, zusätzliche Versuche mit Hyalomma-Zecken durchzuführen. Dabei wurde insbesondere deren Überlebensfähigkeit bei niedrigen Temperaturen untersucht. Konkret wurden die Zecken in zwei Labor-Experimenten über drei Wochen bzw. drei Monate hinweg unterschiedlichen Temperaturen zwischen -10°C und 22°C ausgesetzt. Das Ergebnis: Hyalomma-Zecken besitzen eine überraschend hohe Kälteresistenz und haben auch unter österreichischen Klima-Bedingungen eine hohe Chance, den Winter zu überleben. Um Zeckenfunde zu melden, wurde (ähnlich wie im Citizen Science Projekt Mosquito Alert) die Demo-Version einer App entwickelt. Diese soll die vereinfachte Meldung einer Zecken-Beobachtung inklusive Foto, Wetterdaten und Metainformationen ermöglichen.

Hyalomma-Zecken von etwa 5 Millimeter im Größenvergleich mit Flaschendeckel.
Die im Projekt untersuchten Hyalomma-Zecken besitzen eine überraschend hohe Kälteresistenz und haben auch unter österreichischen Klima-Bedingungen eine hohe Chance, den Winter zu überleben.

Die erzielten Ergebnisse im Projekt ClimateDiseaseRisk bilden eine solide Grundlage für zukünftige Forschungsarbeiten sowie für Maßnahmen im Bereich Klimawandel und Gesundheitsrisiken. Inwieweit die erarbeiteten Handlungsempfehlungen auf kommunaler und bundesweiter Ebene zum Einsatz kommen, wird die Zukunft zeigen. Viele Verantwortliche aus Behörden und Ministerien waren im Projekt maßgeblich involviert und haben alle Möglichkeiten, die zur Verfügung stehenden Projektergebnisse weiter zu verwerten. Die Ergebnisse sollen jedenfalls in den kommenden Monaten in wissenschaftlichen Fachjournals veröffentlicht werden und können in weiterer Folge einen wertvollen Beitrag dazu leisten, das Risiko durch neue „exotische“ Überträger von Krankheiten frühzeitig zu reduzieren. (JZ, Juni 2026)