Unterstützung für Österreichs Gemeinden zur Klimawandelanpassung online verfügbar

Von den Auswirkungen des Klimawandels sind bereits heute viele Gemeinden je nach Region und wirtschaftlicher Ausgangslange unterschiedlich betroffen. Es ist notwendig darauf zu reagieren, um die hohe Lebensqualität auch zukünftig aufrechtzuerhalten. Im Rahmen von CC-Act wurden Unterstützungsmaterialen erstellt, die online zur Verfügung stehen.

Lokale Starkniederschläge, Trockenheit und andere Auswirkungen des Klimawandels treffen schon heute Österreichs Gemeinden. Daher ergibt sich für die Gemeinden – neben Klimaschutzaktivitäten die Notwendigkeit, die Bereiche in ihrer Zuständigkeit (z.B. Flächenwidmungsplanung, Wasserversorgung, Katastrophenschutz u.a.) an ein verändertes Klima anzupassen. Um mit diesen Herausforderungen umgehen und die hohe Lebensqualität trotz Klimawandel gewähren zu können, benötigen Gemeinden Unterstützung.

Coverphoto Handbuch Klimawandelanpassung umsetzen - Lebensqualität erhöhen

Maßgeschneiderte Unterstützungsmaterialien entwickelt

Hier setzt das Projekt CC-ACT (finanziert durch den Klima- und Energiefonds) an, das Unterstützungshilfen für die Anpassung an den Klimawandel in Österreichs Gemeinden erstellt hat. Die Kernergebnisse aus dem Projekt sind eine Online-Website und ein Handbuch für die Beratung von Gemeinden zur Klimawandelanpassung. Die Online-Plattform unterstützt Gemeinden dabei, die Folgen des Klimawandels einzuschätzen und passende lokale Handlungsmöglichkeiten zu identifizieren. Das Handbuch zielt darauf ab, unterschiedlichsten Akteurinnen und Akteure bei der Beratung von Gemeinden zu Klimawandelanpassung mit konkreten Methodenvorschlägen und Materialien zu helfen. Die Zielgruppen aller Materialien sind jene Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die bereits langjährige Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Gemeinden haben (z.B. Leader, LA 21, Klima- und Energiemodellregionen, Klimabündnis, Regionalmanagerinnen/Regionalmanager) sowie besonders engagierte Gemeinden. Die Website mit allen Informationen ist seit Anfang Dezember 2016 im Internet unter ccact.umweltbundesamt.at öffentlich zugänglich.

Online-Website als Plattform für die Klimawandelanpassung in Gemeinden

Homepage CC-Act

Auf der Website ccact.umweltbundesamt.at finden Sie neben dem Handbuch folgende weitere Informationen zur Unterstützung von Gemeinden:

  • Kartenmaterial, das die aktuelle Verwundbarkeit der österreichischen Regionen gegenüber unterschiedlichen Klimaparametern wie Starkwinden, Trockenheitsgefährdung usw. zeigt (entwickelt von der Universität für Bodenkultur Wien),
  • Beschreibung der zu erwartenden Klimawandelauswirkungen anhand unterschiedlicher Parameter wie Hitze, Trockenheit, usw.,
  • Online-Maßnahmenplaner, der geeignete Anpassungsmaßnahmen in für Gemeinden relevanten Bereichen und für unterschiedliche Klimawandeleinflüsse vorschlägt (entwickelt vom Umweltbundesamt),
  • Broschüre zur Bewusstseinsbildung von Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertretern und als erste Information für die Auseinandersetzung mit dem Thema Klimawandelanpassung (entwickelt vom Umweltbundesamt und dem Umweltdachverband),
  • Poster als gemeinsame Arbeitsunterlage und zur Dokumentation der Ergebnisse aus der Ist-Analyse der Klimawandeleinflüsse, der gesetzten Maßnahmen, usw. (entwickelt vom Umweltbundesamt).

Handbuch für die Beratung von Gemeinden zur Klimawandelanpassung

Das Handbuch für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zur Beratung österreichischer Gemeinden mit dem Titel „Klimawandelanpassung umsetzen – Lebensqualität erhöhen“ bietet einen übersichtlichen Einstieg, wie Beratungen zur Klimawandelanpassung auf Basis von aktuellem thematischen Hintergrundwissen und zeitgemäßen didaktischen Methoden umgesetzt werden können. Ziel des Handbuchs ist es, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren bei der Bewusstseinsbildung zum Thema Klimawandelanpassung in Gemeinden zu unterstützen. Das Handbuch hilft dabei, Beratungen zum Thema vorzubereiten und gezielte Maßnahmen mit den Gemeinden zu erarbeiten, bei der Umsetzung zu helfen sowie den Anpassungsprozess zu evaluieren. Es steht dabei in engem Zusammenhang mit den Materialien auf der Online-Website aus CC-ACT. Das Handbuch wurde hauptverantwortlich vom Umweltdachverband und in Kooperation mit dem Umweltbundesamt und der BOKU Wien erstellt. 

Gemeinsame Entwicklung der Materialien mit zukünftigen Anwenderinnen und Anwendern

Sowohl die Online-Website zur Anpassung in Gemeinden als auch das Handbuch wurden in enger Kooperation mit der Zielgruppe erstellt. So entstanden Aufbau und Inhalte der Website und des Handbuchs in einem mehrstufigen Konsultationsprozess zwischen wissenschaftlichen Expertinnen und Experten zu Klimawandelanpassung Personen aus der Praxis in den Regionen und dem Projektteam. Auch internationale Expertise von Personen, die sich seit Jahren mit der Vermittlung von Klimawandelanpassung an unterschiedliche Bevölkerungsgruppen auseinandersetzen, wurden eingebunden. Zusätzlich konnte das wertvolle Feedback aus einem Trainingsworkshop mit zukünftigen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und aus fünf Testregionen zur Verbesserung der Unterstützungsunterlagen eingearbeitet werden.

Trainingsworkshop CC-Act
Trainingsworkshop CC-Act

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten und vor allem an die Gemeindevertreterinnen und -vertreter aus folgenden Gemeinden/Regionen: Obergrafendorf, Seeham, Feldbach, Ebergassing und Region Donau-Böhmerwald (Sarleinsbach, Peilstein, Lembach, Kleinzell und Kirchberg). Die teilnehmenden Personen haben wesentlich dazu beigetragen, die Ergebnisse aus dem Projekt für die Zielgruppe nutzbar zu machen.

Befragung österreichischer Gemeinden als Basis

Neben der direkten Interaktion mit zukünftigen Anwenderinnen und Anwendern wurde als Input für die Erstellung der Online-Website und des Handbuchs eine Befragung der österreichischen Gemeinden und eine Analyse bestehender Unterstützungsmaterialen aus anderen Ländern durchgeführt.

Das Ziel der Befragung war es, ein Bild über den aktuellen Wissens- und Erfahrungsstand der österreichischen Gemeinden zu Klimawandel und Anpassung sowie über ihren Unterstützungsbedarf zu erhalten. Bei der standardisierten Online-Befragung, die 2015 durchgeführt wurde, nahmen knapp 400 Gemeinden aus allen Bundesländern (ausgenommen Wien) teil. Die vorliegenden Ergebnisse sind somit einzigartig für Österreich und erlauben einen ersten umfassenden Einblick über die Relevanz der Klimawandelanpassung in österreichischen Gemeinden. Die Befragung wurde vom Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung an der Universität für Bodenkultur Wien durchgeführt.

Im Konkreten deckt die Befragung folgende Themenfelder ab: (a) Wissen/Einstellung zum Klimawandel bzw. zur Klimaanpassung, (b) bisherige Betroffenheit durch Klimawandelfolgen, (c) Einschätzung der Sensitivität hinsichtlich Klimawandelfolgen, (d) bisherige Aktivitäten bzgl. Anpassung, (e) Motivations- und Hemmfaktoren bzgl. Anpassung und (f) benötigte Unterstützung. Die Ergebnisse zeigen, dass die Gemeinden für die Themen Klimawandel und Anpassung an Klimawandelfolgen durchaus sensibilisiert sind, jedoch das Wissen über Klimawandelanpassung noch eher gering ist. Ein zentraler Punkt bei der Frage nach der benötigten Unterstützung war - neben dem Wunsch nach konkreterer Information über die tatsächliche Betroffenheit der eigenen Gemeinde durch den Klimawandel - die Begleitung durch fachliche Expertise bei der Entwicklung und Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen. Die Ergebnisse dazu werden in Form einer wissenschaftlichen Publikation und auch im Endbericht zum Projekt veröffentlicht.

Einbindung internationaler Erfahrungen

Um das Rad nicht neu zu erfinden, haben Wissenschaftler am Institut für Wald-, Umwelt- und Ressourcenpolitik (Universität für Bodenkultur Wien) eine europaweite Bestandsaufnahme zu Unterstützungsmaterialien (zumeist Handbuch und Online-Websites) durchgeführt. Darauf aufbauend wurden im nächsten Schritt zwei Werkzeuge, nämlich der „Adaptation Wizard“ aus Großbritannien und der „Klimalotse“ aus Deutschland, vertiefend analysiert. Dabei wurden sowohl Personen, die für die Entwicklung der Tools zuständig waren, als auch die Zielgruppe befragt. Aus diesen Fallstudien konnten hilfreiche Schlussfolgerungen gezogen werden, die bei der Erstellung der Unterstützungsmaterialien in CC-ACT berücksichtigt wurden (Auszug):

Die Unterstützungsmaterialien

  • sollen anwendungsbezogen sein (konkrete Beispiele, einfache Sprache, etc.);
  • sollen interaktiv ausgerichtet sein (v.a. Anwendung auf eigene Gemeinde ermöglichen);
  • sollen den Anwenderinnen und Anwendern Vergleiche ermöglichen (z.B. mit anderen Kommunen derselben Region);
  • sollen die eigene Arbeit reduzieren und vereinfachen, nicht steigern oder komplizierter machen;
  • sollen gratis sein.

(Februar 2017)

Weiterführende Informationen:

Kurztitel: CC-Act

Langtitel: Climate change adaptation in municipalities: awareness raising and capacity building for action in Austria

Projektleitung: DI Andrea Prutsch, Umweltbundesamt Wien

Projektpartnerinnen/Projektpartner:
Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung, Universität für Bodenkultur
Institut für Wald-, Umwelt- und Ressourcenpolitik, Universität für Bodenkultur
Forum Umweltbildung/Umweltdachverband
University of Oxford, Environmental Change Institute – UKCIP
Institut für Meteorologie, Universität für Bodenkultur

Projektlaufzeit: September 2014 – Dezember 2016

Projektwebsite: ccact.umweltbundesamt.at