Monitoring gebietsfremder Gelsenarten und Überwachung des West-Nil-Virus
Stechmücken sind nicht nur lästig, sie können auch Krankheiten übertragen. In Österreich ist besonders das West-Nil-Virus relevant, das hauptsächlich durch heimische Gelsenarten wie Culex pipiens übertragen wird. Mit dem vermehrten Auftreten gebietsfremder Arten steigt auch das Risiko für exotische Krankheiten wie etwa Dengue. Ein intensives Monitoring sowie die Reduktion möglicher Brutstätten für Stechmücken sind essentiell, um die Ausbreitung zu reduzieren.
Damit eine Krankheitsübertragung stattfinden kann, muss die Entwicklungszeit des Erregers kürzer sein als die Lebensdauer des adulten Stechmückenweibchens – nur weibliche Gelsen saugen Blut, das sie für die Eiproduktion benötigen. Wärmere Temperaturen verkürzen die Entwicklungszeit der Erreger, während sich gleichzeitig die Aktivitätsperiode der Stechmücken verlängert. Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung steigt.
Bisher wurden in Österreich etwa 50 verschiedene Arten von Stechmücken nachgewiesen, die in ihrer Kapazität, Krankheiten zu übertragen, sehr unterschiedlich sind. Aus diesem Grund ist es wichtig, vorkommende Arten sowie ihre Durchseuchung mit Humanpathogenen zu erfassen. Dies geschieht im Rahmen des West-Nil-Virus-Monitorings oder dem Monitoring gebietsfremder Gelsenarten.
West-Nil-Virus-Monitoring
Das West-Nil-Virus (WNV) ist weltweit verbreitet und wurde in Österreich 2009 erstmals bei Menschen nachgewiesen. Es wird durch Stechmücken übertragen, als Wirt dienen jedoch Vögel. Menschen und Säugetiere können erkranken, das Virus aber nicht auf andere Stechmücken übertragen und stellen somit eine Sackgasse für das Virus dar. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist äußerst selten und nur durch Bluttransfusionen oder ähnliche Wege möglich. Die meisten Infektionen verlaufen asymptomatisch, 20-40% entwickeln grippeähnliche Symptome (West-Nil-Fieber, „Sommergrippe“). Bei etwa 1% kommt es zur West-Nil-Virus-assoziierten Meningoenzephalitis.
Zwischen 2010 und 2023 wurden in Österreich 56 im Inland erworbene West-Nil-Virus-Fälle bei Menschen bestätigt. Allein 2024 wurden 36 Fälle gemeldet, alle aus dem Osten Österreichs (vorwiegend aus dem nördlichen Burgenland, Wien, Wiener Umland und dem Weinviertel).
Das Virus kann zwar von einer Vielzahl an Stechmückenarten übertragen werden, in Österreich zählen Cx. pipiens und Cx. modestus zu den wichtigsten Überträgern. Die mit Abstand am häufigsten in Österreich vorkommende Art ist Culex pipiens (Gemeine Stechmücke). Sie ist dämmerungs- und nachtaktiv und vor allem in urbanen Gebieten häufig zu finden. Im Rahmen des für Österreich 2024 erstmals durchgeführten nationalen West-Nil-Virus-Monitorings in Stechmücken konnten von fast 8.000 gefangenen Stechmücken circa 75 % als Cx. pipiens klassifiziert werden, was die Dominanz dieser Art unterstreicht. Für die molekularbiologische Analyse auf das West-Nil-Virus wurden die Stechmücken in Proben von maximal 20 Individuen, getrennt nach Art und Geschlecht, zusammengefasst. Das Virus konnte in drei von über 1.300 Proben nachgewiesen werden. Zwei der positiven Proben stammen aus dem Burgenland (Eisenstadt), was zu den vielen gemeldeten Fällen im Osten Österreichs passt. Die dritte positive Probe stammt aus der Steiermark (Lobmingtal).
Die einheitliche österreichweite Überwachung des West-Nil-Virus in Stechmücken konnte 2024 erfolgreich etabliert werden. Für eine höhere Nachweisrate des Virus ist es notwendig, die Fangzahl der Individuen zu erhöhen, was beim Monitoring 2025 berücksichtigt wird.
Monitoring gebietsfremder Gelsenarten
Durch das vermehrte Auftreten und die Ansiedlung gebietsfremder Gelsenarten steigt auch das Risiko für exotische Krankheiten. Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) kann beispielsweise bis zu 20 verschiedene Krankheiten übertragen (wie das Dengue- oder Chikungunya-Virus) und ist sehr anpassungsfähig.
Ursprünglich kommen diese Gelsenarten aus den südlich-tropischen Gegenden oder dem ostasiatischen Raum und wurden großteils durch den Güterverkehr nach Europa eingeschleppt, weshalb neue Arten als Erstes auch häufig an Autobahnraststätten nachgewiesen werden. In Österreich wurden neben der Asiatischen Tigermücke bisher die Japanische Buschmücke (Aedes japonicus) und die Koreanische Buschmücke (Aedes koreicus) nachgewiesen. Sie haben gemeinsam, dass ihnen bereits sehr kleine Wassermengen als Brutgewässer genügen, wie Blumentopfuntersetzer oder Vogeltränken.
Seit 2011 führt die AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) ein Monitoring zur Überwachung der Ausbreitung exotischer Stechmücken und neuer Krankheitserreger durch. Dadurch können neue Populationen bekannter Arten frühzeitig erfasst und die Entwicklung bestehender Populationen überwacht werden.
Die Asiatische Tigermücke konnte in Österreich erstmals 2012 nachgewiesen werden. Den ersten Nachweis in Wien gab es 2020, in Graz 2021. Städtische Infrastruktur, wie Parks und künstliche Bewässerung sowie der Wärmeinsel-Effekt begünstigen das Überleben und den Bruterfolg der Tigermücke. Sowohl in Graz als auch in Wien gibt es inzwischen etablierte, überwinternde Populationen, die sich 2024 räumlich deutlich ausgebreitet haben. Auch in Linz wurde 2024 eine höhere Anzahl an Tigermückeneiern nachgewiesen. Österreichweit war die Verbreitung der Tigermücke 2024 vergleichbar mit den zwei Vorjahren. Anders als die heimischen Gelsenarten ist die Tigermücke tagaktiv. Ihre aktive Saison ist von Mitte Mai bis Ende September. Die Klimaerwärmung begünstigt die Etablierung von Populationen der Asiatischen Tigermücke in immer nördlicheren Gebieten.
Die häufigste gebietsfremde Art, die beim Monitoring gebietsfremder Gelsenarten erfasst wurde, ist die Japanische Buschmücke. Sie wurde in allen Bundesländern nachgewiesen und wird nicht mehr zu eliminieren sein. Besonders weit verbreitet ist sie im Süden Österreichs. Wie die Tigermücke ist sie tagaktiv und potenzieller Überträger mehrerer Viren, jedoch weniger übertragungsfähig. Ihre aktive Phase ist von Anfang Mai bis Ende Oktober und somit deutlich länger als die der Tigermücke.
Die Koreanische Buschmücke konnte 2024 nicht nachgewiesen werden.
So können wir gegensteuern
Sowohl heimische als auch gebietsfremde Gelsenarten haben Strategien entwickelt, in Österreich zu überwintern. Die Gemeine Stechmücke überwintert als adultes Weibchen in frostfreien Räumen, wie Kellern oder Dachböden. Im Frühjahr legt sie ihre Eier in stehende Gewässer. Die Tigermücke überwintert im Eistadium. Die Eier kleben häufig am Rand von unterschiedlichen Gefäßen, in denen sich zuvor Wasser sammeln konnte (Blumentopfuntersetzer, Gießkannen…). Die Eier überleben, selbst wenn das Behältnis austrocknet. Um zu verhindern, dass die Larven im Frühjahr schlüpfen, wird das gründliche Reinigen aller Behälter im Herbst empfohlen. Dazu sollten sie nicht nur abgespült, sondern auch abgewischt und anschließend trocken gelagert werden.
Um die Ausbreitung von Gelsen einzudämmen, ist es wichtig, Brutstätten das ganze Jahr über zu vermeiden, indem kleine Wasserbehälter (wie Planschbecken, Blumenuntersetzer) und Kleinstwasserstellen (Schirmständer, Zaunrohre, Dekorelemente, Aschenbecher) mindestens einmal pro Woche entleert, abgedeckt oder entfernt werden. Auch verstopfte Dachrinnen und tropfende Wasserhähne sollten beseitigt werden.
Wer sich aktiv am Monitoring beteiligen möchte, kann die App „Mosquito Alert“ nutzen. Die Fotos der Stechmücken werden von Expert:innen bewertet und fließen in ein Citizen-Science-Projekt ein. (LK, Juni 2025)


