Wie europäische Eichen Hitze trotzen – Neue Erkenntnisse zur Klimawandelanpassung
Bäume spielen eine zentrale Rolle bei der Regulierung des Mikroklimas. Wie gut sie selbst an steigende Temperaturen angepasst sind, hat eine aktuelle Studie im Fachjournal Global Change Biology untersucht. Ergebnisse zeigen, dass die drei europäische Eichenarten Stieleiche, Traubeneiche und Flaumeiche eine erstaunliche Widerstandsfähigkeit gegenüber extremen Hitzeperioden aufweisen.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind in ganz Europa spürbar. Besonders Hitzewellen nehmen in Intensität und Häufigkeit zu und stellen sowohl Menschen als auch Ökosysteme vor große Herausforderungen. Bäume spielen eine zentrale Rolle bei der Regulierung des Mikroklimas, indem sie Schatten spenden, Feuchtigkeit speichern und durch Transpiration kühlend wirken. Doch wie gut sind sie selbst an die steigenden Temperaturen angepasst?
Eine aktuelle Studie im Fachjournal Global Change Biology hat untersucht, wie drei europäische Eichenarten – Stieleiche (Quercus robur), Traubeneiche (Quercus petraea) und Flaumeiche (Quercus pubescens) – mit extremen Hitzeperioden umgehen. Die Ergebnisse zeigen, dass diese Baumarten eine erstaunliche Widerstandsfähigkeit gegenüber hohen Temperaturen aufweisen. Ihre Anpassungsstrategien könnten wichtige Hinweise für die Gestaltung klimaresilienter Wälder und Städte liefern.
Natürliche Kühlmechanismen im Kronendach
Eine der zentralen Erkenntnisse der Studie ist die aktive Temperaturregulierung in der Baumkrone. Mithilfe zweier Mechanismen verhindern die Eichen eine Überhitzung:
- Evaporative Kühlung (Verdunstungskühlung): Über ihre Spaltöffnungen (Stomata) verdunsten die Blätter Wasser und senken dadurch die Kronentemperatur. Dieser Prozess ermöglicht es den Bäumen, auch bei intensiver Sonneneinstrahlung eine stabile Temperatur beizubehalten.
- Stomatal Decoupling (Entkopplung der Stomata): Die Bäume können ihre Spaltöffnungen gezielt steuern, unabhängig von äußeren Faktoren wie Luftfeuchtigkeit oder Windverhältnissen. Dadurch behalten sie eine gewisse Kontrolle über ihren Wasserhaushalt und schützen sich gleichzeitig vor Überhitzung.
Die Forscher fanden heraus, dass insbesondere die Flaumeiche eine außergewöhnlich hohe Hitzetoleranz besitzt. Sie kommt natürlicherweise in wärmeren, trockeneren Regionen vor und ist besonders gut an extreme Bedingungen angepasst. Doch auch Stiel- und Traubeneiche zeigen beeindruckende Mechanismen zur Temperaturkontrolle.
Anpassungspotenzial für zukünftige Hitzewellen
Die steigenden Temperaturen und häufigeren Dürreperioden erfordern gezielte Anpassungsmaßnahmen in der Landschafts- und Stadtplanung. Die Erkenntnisse dieser Studie zeigen, dass hitze- und trockenheitsresistente Baumarten wie die untersuchten Eichen einen wichtigen Beitrag zur Klimawandelanpassung leisten können:
- In der Forstwirtschaft: Der Waldumbau hin zu klimastabilen Mischwäldern mit widerstandsfähigen Arten wird immer wichtiger. Besonders im mitteleuropäischen Raum könnten hitzetolerante Eichenarten gezielt gefördert werden.
- In der Stadtbegrünung: Stadtbäume sind oft extremen Hitzebedingungen ausgesetzt. Die Wahl geeigneter Baumarten kann helfen, urbane Hitzeinseln zu reduzieren und das Mikroklima zu verbessern.
- In der Agrarlandschaft: Agroforstsysteme mit hitzeresistenten Gehölzen könnten eine nachhaltige Lösung sein, um Landwirtschaft und Biodiversität besser zu verknüpfen.
Wissen für Praxis und Politik
Die Studie liefert wertvolle Anhaltspunkte für eine klimabewusste Landnutzung und -planung. Insbesondere für Entscheidungsträger:innen in den Bereichen Forstwirtschaft, Stadtentwicklung und Landschaftsplanung sind diese Erkenntnisse von Bedeutung.
Zukünftig könnte es sinnvoll sein, gezielt hitzetolerante Baumarten in gefährdeten Regionen zu pflanzen und bestehende Wälder aktiv an die neuen klimatischen Bedingungen anzupassen. Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass natürliche Anpassungsmechanismen in Pflanzen eine größere Rolle bei der Klimawandelbewältigung spielen könnten als bisher angenommen.
(PE, Jänner 2025)
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