Wie verwundbar ist Österreich?

Zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels ist es notwendig, die Verwundbarkeit (oder auch Vulnerabilität genannt) einzelner Bereiche und Regionen zu kennen. Die Verwundbarkeit zeigt, inwieweit ein System für nachteilige Auswirkungen der Klimaänderungen (inklusive Klimaschwankungen und -extreme) anfällig ist bzw. nicht fähig ist, diese zu bewältigen (IPCC, 2007).

 

Aussagen zur Verwundbarkeit liefern eine wesentliche Grundlage, um Bedarf, Art, Umfang und Dringlichkeit von Anpassungsmaßnahmen abschätzen zu können.

 

Die österreichische Strategie zur Anpassung an den Klimawandel fasst die Verwundbarkeit von elf Handlungsfeldern zusammen. Die Einschätzung basiert auf vorhandenen wissenschaftlichen Studien und wird qualitativ beschrieben.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft gehört zu den besonders vom Klimawandel betroffenen Bereichen, jedoch müssen Aussagen zur Vulnerabilität auf die Produktionsform und auf die jeweilige Region abgestimmt werden.  

 

Grundsätzlich wird dem Ackerbau durch seine kurze (einjährige) Kulturzeit eine rasche Reaktionsmöglichkeit an veränderte Bedingungen zugeschrieben. Durch die langen Vorlaufzeiten in der Saatzucht wird die Reaktionsmöglichkeit jedoch hinab gesetzt. Aussagen über die tatsächliche Verwundbarkeit sind nur durch eine regional unterschiedliche Betrachtung möglich. Insbesondere Regionen, die bereits heute niederschlagsarm sind, werden hinsichtlich der Wasserversorgung als hoch vulnerabel eingestuft.

 

Für das Grünland wird nach derzeitigem Wissen von einer hohen Vulnerabilität für Regionen bei 600mm Jahresniederschlag ausgegangen. In Regionen mit Dauergrünland auf seicht gründigen Böden und einem Jahresniederschlag von 600 bis 800mm können Versorgungsprobleme auftreten. In höheren Lagen mit über 800mm Niederschlag kann davon ausgegangen werden, dass die Produktionsmöglichkeit ansteigt.

 

Für den Obst- und Gemüseanbau sowie den Weinbau wird mit einer möglichen Ausweitung der Anbaugebiete gerechnet. Nachteile sind durch das eventuelle Auftreten von Spätfrösten und Extremereignissen wie Hagel und Sturm gegeben. Qualitätsveränderungen im Weinbau auf Grund höherer Temperaturen und einer höheren Klimavariabilität sind nicht auszuschließen. Derzeit wird von einer mäßigen Vulnerabilität ausgegangen.

 

Durch den Anstieg der Hitzetage wird mit zunehmendem Stress in der Tierhaltung gerechnet, was insbesondere zu schlechteren Zuwachsraten oder Ausfällen führen kann. Das Auftreten neuer Krankheitserreger im Bereich der Tierhaltung ist noch weitgehend unerforscht. Eine verlässliche Abschätzung der Vulnerabilität ist mit derzeitigem Wissen nicht möglich.

 

In der Fischzucht in Österreich ist die Forellen- und Karpfenzucht vorherrschend. Bei steigenden Gewässertemperaturen werden kälteliebende Fischarten, vor allem Salmoniden (wie etwas Forellen oder Saiblinge)  zurückgehen. Nach derzeitigem Wissenstand wird von einer hohen Vulnerabilität ausgegangen.

Forstwirtschaft

Die Forstwirtschaft weist durch die langfristigen Lebenszyklen von Wäldern grundsätzliche Schwierigkeiten bei der Entwicklung, der Umsetzung und dem Wirksamwerden von angepassten Waldbewirtschaftungskonzepten auf. Daraus folgt eine grundsätzlich hohe Vulnerabilität gegenüber dem Klimawandel.

 

Die Standorteignung forstwirtschaftlicher Hauptbaumarten wird sich stark verändern; insbesondere in nicht standortangepassten Nadelwaldbeständen der tieferen und mittleren Lagen besteht eine hohe Vulnerabilität.

 

Die Wasserversorgung ist eine bedeutende klimatische Einflussgröße für Produktivität und Gesundheit. Die Vulnerabilität der Wälder und deren Bewirtschaftung gegenüber klimabedingtem Trockenstress sind allgemein als hoch einzustufen.

 

Erwärmung und längere Sommer begünstigen die Vermehrung von Schadorganismen und deren Ausbreitung in größere Höhenlagen. Wärmeres Klima ermöglicht die Ausbreitung neuer mediterraner Arten und eingeschleppter Schadorganismen. Insgesamt wird von einer deutlich höheren Vulnerabilität gegenüber durch Schadorganismen verursachten Problemen ausgegangen.

 

Das Risiko von Waldbränden kann steigen, jedoch wird die Vulnerabilität als gering eingeschätzt.

Wasserhaushalt/Wasserwirtschaft

Generell stehen ausreichende Wasserressourcen zur Verfügung; jedoch sind jene Regionen hoch vulnerabel, die bereits heute sinkende Grundwasserpegel aufweisen, bei Trockenheit von Wasserknappheit betroffen sind bzw. einen geringen Anschlussgrad an das öffentliche Wasserversorgungsnetz aufweisen.

 

Aussagen über Qualität des Wassers sind noch unsicher; theoretisch kommt es jedoch wegen der verminderten Neubildung des Grundwassers auch zu einer geringeren Verdünnung der Schadstoffe. Ferner ist die negative Beeinflussung der Wasserqualität durch Starkniederschlagereignisse, der Erwärmung des Wassers bzw. Erwärmung von Wasserleitungen möglich.

 

Wenn regional - was derzeit auf Basis der Klimaprojektionen weder gesichert ist noch ausgeschlossen werden kann - Änderungen in der Häufigkeit und Intensität von Extremereignissen auftreten sollten, ist die Verwundbarkeit durch Hochwasserereignisse als hoch zu bewerten.

 

Die Vulnerabilität der Lebensgemeinschaften in Flüssen und Seen ist auf Basis des derzeitigen Wissenstandes durch die temperaturbedingte Beschleunigung von chemischen Reaktionsprozessen und durch ein verändertes Sauerstoffangebot hoch.

Tourismus

Der alpine Wintertourismus ist generell höher vulnerabel als andere Tourismusbereiche, wie z.B. alpiner Sommertourismus und Städtetourismus.

 

Für den alpinen Wintertourismus sind für Aussagen über die tatsächliche Auswirkung und Verwundbarkeit regional unterschiedliche Betrachtungen erforderlich. Grundsätzlich sind Regionen in niedrigen und mittleren Lagen höher vulnerabel. Fernen sind Regionen mit starker wirtschaftlicher Abhängigkeit vom Wintertourismus stärker betroffen.

 

Für den alpinen Sommertourismus kann grundsätzlich mit einer geringen Vulnerabilität gerechtet werden. Steigendes Gefahrenpotential ist event. durch Auftauen der Permafrostböden, durch Zunahme der Felsstürze sowie durch vermehrt auftretende Extremwetterereignisse gegeben.

 

Für den österreichischen Seentourismus im Alpenraum werden durch die Erwärmung der Wassertemperatur prinzipiell positive Auswirkungen erwartet. Für Österreichs einzigen Steppensee, den Neusiedler See, besteht hingegen eine höhere Vulnerabilität aufgrund des Risikos eines Austrocknens.

 

Der Städtetourismus könnte im Hinblick auf den Klimawandel grundsätzlich profitieren, da durch eine Verlängerung der Saison mit einer Steigerung der Attraktivität gerechnet wird. Unklar hingegen ist, ob die zunehmende Hitzebelastung in städtischen Räumen auch negative Auswirkungen auf die Sommersaison hat.

Energie

Welche Veränderungen es in der Produktion, dem zukünftigen Energiemix und dem Energieverbrauch geben wird, ist schwer abzuschätzen. Daher sind zum heutigen Zeitpunkt eindeutige Aussagen zur Vulnerabilität schwierig.

 

Grundsätzlich sind Wasserkraftwerke und kalorische Kraftwerke durch vom Klimawandel hervorgerufene Effekte, wie steigende Temperaturen, schwankende Wasserstände und Extremereignisse, betroffen. Insbesondere Wasserkraftwerke werden durch klimabedingte Hoch- und Niedrigwasserereignisse als vulnerabel gegenüber dem Klimawandel eingeschätzt, wobei der Betrieb von Laufkraftwerken aufgrund deren Abhängigkeit von Niederschlag bzw. Wasserführung als hoch vulnerabel beurteilt werden kann. Speicherkraftwerke werden derzeit als wenig bis nicht vulnerabel eingeschätzt, da diese auch in Trockenperioden ausreichend erzeugen können.

 

Abgesehen von Beeinträchtigungen der Produktion können Kraftwerksanlagen und Infrastrukturen auch direkt durch Hochwasser betroffen sein - obwohl Kraftwerke (sowohl alpine Speicherkraftwerke als auch Laufkraftwerke) ihrerseits wiederum einen Schutz vor Hochwasser bilden (Mehrzweckfunktion der Wasserkraft).

Bauen und Wohnen

Dieses Aktivitätsfeld wird durch den Klimawandel mit veränderten Ansprüchen an Planung, Errichtung, Bewirtschaftung und Nutzung von Gebäuden konfrontiert. Eine Zunahme von sommerlicher Hitzebelastung führt zu ungünstigerem Raum- und Wohnklima und damit zu gesundheitlichen Belastungen. Insbesondere in urbanen Gebieten wird der Kühlbedarf zur Reduktion der Raumtemperatur enorm steigen.

 

Aussagen bezüglich einer Zunahme kleinräumiger Überflutungen und großräumiger Hochwässer sind derzeit nicht gesichert möglich. Aufgrund der starken Verbauung in Überflutungszonen, aber auch aufgrund der nicht angepassten Bautechnik und der Nutzungen sind Siedlungsgebiete in diesen Bereichen als hoch vulnerabel einzuschätzen. Die Dimensionierung von gebäude- und siedlungsbezogenen Regenentwässerungs- sowie Abwasserentsorgungssystemen kann sich als nicht ausreichend erweisen.

 

Je nach Lage, Gebäudetyp, Gebäudeausstattung und Nutzung ist die Vulnerabilität unterschiedlich. Beim Neubau sind Anpassungsmaßnahmen relativ einfach durchzuführen, hier ist von einer geringen Vulnerabilität auszugehen. Der Gebäudebestand ist überwiegend als hoch vulnerabel einzustufen, da Maßnahmen nur mit erheblichem baulichem und finanziellem Aufwand verbunden sind.

Gesundheit

Mögliche negative Auswirkungen des Klimawandels auf das Aktivitätsfeld Gesundheit umfassen sowohl direkte als auch indirekte Effekte. Bei den direkten Wirkungen handelt es sich um unmittelbare Folgen auf den menschlichen Organismus, z. B. durch Hitzewellen oder extreme Wetterereignisse. Indirekte Auswirkungen und Risiken treten durch veränderte Umweltbedingungen auf.  Dazu zählen verbesserte Lebensbedingungen für Überträger von Krankheitserregern, die mögliche Ausbreitung allergener Pflanzen und Tiere sowie die Beeinträchtigung von Lebensmitteln und Trinkwasser.

 

Als wichtigste direkte Belastung des menschlichen Organismus sind Hitzewellen, insbesondere in urbanen Gebieten, anzusehen. Hiervon sind vor allem ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem sowie Kinder betroffen. Für diese Risikogruppen wird eine hohe Vulnerabilität angenommen. Für alle weiteren Personen wird bei Inangriffnahme entsprechender Maßnahmen von einer mäßigen Vulnerabilität ausgegangen.

 

Die Wechselwirkung von Luftschadstoffen und Klimawandel ist vielfältig. Sommerliche Hochdruckwetterlagen können die Bildung von bodennahem Ozon begünstigen und Schleimhautreizungen sowie Erkrankungen der Atemwege verursachen. Es wird ohne entsprechende Schutzmaßnahmen von einer mäßigen Vulnerabilität ausgegangen, für Risikogruppen wird eine hohe Vulnerabilität vermutet.

 

Durch ansteigende Temperaturen verändern sich die Lebensbedingungen für Krankheitsüberträger, sodass mit einer Zunahme von Infektionskrankheiten gerechnet werden muss. Im Bereich der vektorübertragenen Krankheiten bestehen noch große Wissensdefizite hinsichtlich der Zusammenhänge mit dem Klimawandel, eine hohe Vulnerabilität kann jedoch nicht ausgeschlossen werden.

 

Die Kenntnisse über die potenzielle Ausbreitung allergener Pflanzen und Tiere sind ebenfalls gering, daher ist die Vulnerabilität derzeit nicht verlässlich einschätzbar.

 

Der Klimawandel kann auch die Lebensmittelsicherheit beeinflussen durch das Wachstum von Mikroorganismen in Nahrungsmitteln. Auswirkungen auf die mikrobiologische und chemische Qualität des Trinkwassers sowie die Verfügbarkeit von Trinkwasserressourcen können ebenso auftreten. Für Österreich wird aufgrund der hohen Standards sowohl in der Lebensmittelverarbeitung als auch in der Wasserqualität und -versorgung derzeit von einer geringen Vulnerabilität ausgegangen.

Natürliche Ökosysteme und Biodiversität

Dieses Aktivitätsfeld wird seit Langem von zahlreichen Faktoren wie Flächenverbrauch, intensive Nutzung land- und forstwirtschaftlichen Flächen, Veränderungen des Wasserhaushalts usw. gefährdet. Der Klimawandel stellt einen zusätzlichen Faktor dar, der das Anpassungspotenzial vieler biologischer Systeme und Arten übersteigen kann. Auswirkungen des Klimawandels sind die bereits heute erkennbaren und weiter zu erwartenden Verschiebungen von Arealgrenzen nach Norden und in höhere Lagen sowie Veränderungen in der Phänologie von Pflanzen und im Verhalten von Tieren.

 

Arten mit eingeschränkter Migrationsfähigkeit sowie solche, die durch geografische Hindernisse oder fehlende Biotopvernetzung eingeschränkt sind, sind langfristig vom Aussterben bedroht. Als hoch vulnerabel gelten insbesondere Rote-Liste-Arten, Arten mit geringer Standorttoleranz sowie kälte- und feuchtigkeitsliebende Arten.

 

Die Verschiebung der Arealgrenzen wird die Anzahl der Arten und die Artenzusammensetzung in Lebensgemeinschaften und Biotopen verändern. Insbesondere Feuchtgebiete, aber auch montane Stauden-, Fels- und Steinfluren sind als hoch vulnerabel einzuschätzen. Auch der Alpenraum ist durch die Vielzahl an endemischen Pflanzen und Tieren sowie klimatische Sonderstandorte besonders betroffen.

 

Generalisten werden vom Klimawandel profitieren, während heimische Arten durch die Zuwanderung wärmeliebender Arten einer neuen Konkurrenzsituation ausgesetzt sind.

 

Grundsätzlich wird davon ausgegangen, das Aktivitätsfeld Natürliche Ökosysteme und Biodiversität eine hohe Vulnerabilität aufweist, die auch durch die Inangriffnahme geeigneter Maßnahmen für eine erhebliche Anzahl von Arten und Ökosystemen nur in geringem bis mittleren Ausmaß reduziert werden kann.

Verkehrsinfrastruktur

Die Verkehrsinfrastruktur ist für die Gesellschaft und Wirtschaft eines Landes von grundlegender Bedeutung. Insbesondere extreme Wetterereignisse wie Starkregen, Hochwasser, Stürme, Eis, Hitzewellen etc. können Schäden an der verkehrsrelevanten Infrastruktur verursachen, die von Beschädigungen bis hin zur vollständigen Zerstörung führen können: Hitzebedingte Materialschäden, das erhöhte Ausfallrisiko von elektronischen Anlagen, aber auch eine verminderte Konzentrationsfähigkeit der VerkehrsteilnehmerInnen können die Verkehrssicherheit beeinträchtigen. Eine Zunahme von Starkregenereignissen kann Straßen und Bahntrassen unterspülen und Hangrutschungen verursachen. Das Risiko von Überschwemmungen erhöht sich, eine Überlastung von Drainagesystemen kann auftreten. Durch Stürme können elektrische Anlagen zerstört werden bzw. Behinderungen durch umgestürzte Bäume auftreten. In welchem Ausmaß sich Extremereignisse häufen, ist derzeit noch mit Unsicherheiten behaftet.

 

Ein vorübergehender Ausfall von Verkehrsverbindungen kann enorme Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft, aber auch auf die Gesundheitsversorgung mit sich bringen. Insbesondere für einzelne Alpentäler und Regionen wird eine hohe Vulnerabilität angenommen. Da die Fragestellungen erst seit kurzem sowohl in der Forschung als auch in der Praxis thematisiert werden, bestehen noch enorme Wissensdefizite. Generell wird die Vulnerabilität von Teilen der Verkehrsinfrastruktur als hoch eingestuft, bei einem angepassten Neubau können negative Auswirkungen überwiegend vermieden werden.

Wirtschaft

Mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf die Wirtschaft werden einerseits durch sich allmählich ändernde Klimaparameter wie Temperatur und Niederschlag und andererseits – und dies ist  wesentlich relevanter – durch Frequenz und Intensität extremer Witterungsperioden und Extremereignisse bestimmt. Dabei sind Unternehmen, die stark auf globalen Märkten involviert sind, nicht nur von lokalen Effekten sondern auch von Klimawandelfolgen in anderen Ländern abhängig.

 

Die Vulnerabilität der Sachgütererzeugung (Produktion von Waren) wird für die meisten Bereiche mit gering bis mäßig eingeschätzt. So kann die Produktion direkt durch Klimaänderungen in ihrer Effizienz eingeschränkt werden, Probleme in der Verfügbarkeit von benötigten Rohstoffen oder Vor- und Zwischenprodukten können auftreten und MitarbeiterInnen können in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt und die Gesundheit beeinträchtigt werden. Durch Extremwetterereignisse kann es zu Schäden an der Unternehmensinfrastruktur sowie an Logistik und Vertrieb kommen. Vernetzung mit anderen Unternehmen und globalen Märkten kann zu branchen- und regionsübergreifenden Betroffenheiten führen.

 

Der Handel als nachgelagerter Sektor der Sachgütererzeugung ist über die Kette Produktion – Großhandel – Einzelhandel – Endverbraucher indirekt mitbetroffen, jedoch direkten Klimaauswirkungen weniger stark ausgesetzt. Direkt betroffen von Extremwetterereignissen sind Logistik, Zulieferung und Verteilung innerhalb der Handelskette. Klima- und Wetterparameter wirken außerdem direkt auf betriebliche Infrastruktur. Händler, die Produkte auf globalen Märkten beziehen, sind zudem auch von Klimawandelfolgen in anderen Ländern betroffen.  Die Arbeitsbedingungen werden durch z. B. extremere Temperaturschwankungen oder häufige Hitzeperioden im Sommer negativ beeinflusst, was mindernd auf Produktivität und Motivation der MitarbeiterInnen wirkt und den Kühlbedarf steigen lässt. Die EndverbraucherInnen bestimmen durch ihr Konsumverhalten – welches sich durch den Klimawandel ebenfalls verändern kann – das Ergebnis des Handels mit.

 

Die Versicherungswirtschaft gestaltet mögliche Anpassungsoptionen für die österreichische Wirtschaft wesentlich mit. Zukünftig werden sich in Anspruch genommene Leistungen durch ein häufigeres Auftreten von Schäden ändern und es kommt zu einer generellen Nachfragesteigerung nach Versicherungsprodukten im öffentlichen und privaten Sektor. In jenen Regionen, die einen Anstieg der Bevölkerungsdichte verzeichnen, steigt auch die Zahl der exponierten Personen. Herausforderungen wie steigende Unsicherheit der Voraussagbarkeit von Ereignissen, unvorhersehbarer Akkumulation von Extremereignissen, fehlende Anpassungsflexibilität bestehender Verträge oder zu geringe Rückversicherungskapazität am Weltmarkt machen die Versicherungswirtschaft zu einer hoch vulnerablen Branche.

Stadt - urbane Frei- und Grünräume

Die Wirkungen des Klimawandels auf Städte und urbane Räume sind komplex und werden durch ökonomische, ökologische und physisch-infrastrukturelle Faktoren bestimmt. Ihre Verwundbarkeit wird durch hohe Besiedlungsdichten und die Konzentration an Vermögenswerten und kritischer Infrastruktur als hoch eingeschätzt. Konkret ist sie jedoch stark von Art und Maß der baulichen Nutzung, der Stadtstruktur sowie der Einbindung des Stadtkörpers in die Umgebung abhängig.

 

Der Klimawandel beeinflusst vor allem den Wärmehaushalt urbaner Räume. Ein Anstieg von Tagen mit extremer Hitzebelastung und von Hitzewellen wird in städtischen Gebieten bereits heute beobachtet. Speziell die nächtliche Abkühlung stark bebauter und versiegelter Siedlungsflächen ist wesentlich geringer als jene in Grünanlagen oder in ländlichen Gebieten und kann vermehrt zu Belastungen des menschlichen Organismus führen. Hitzeperioden wirken sich unmittelbar und mittelbar auf Morbidität und Mortalität aus und beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit sowie das menschliche Wohlbefinden.  

 

An Hitzetagen und bei Hitzewellen wird ein steigender Bedarf nach Trink- und Brauchwasser vor allem im Sommer zu einer Veränderung im Wasserhaushalt führen. Durch den hohen Versiegelungsgrad wird bei vermehrt auftretenden Starkregenereignissen die Abflussleistung der bestehenden Kanalisation überfordert, wodurch ein erhöhtes Überflutungsrisiko entsteht. Generell werden bei einer Zunahme an extremen Wetterereignissen Schäden an der Bausubstanz, an Infrastruktureinrichtungen, den Verkehrswegen bis hin zur Stadtvegetation auftreten.

 

Hohe Temperaturen und starke Sonneneinstrahlung können die Luftverschmutzung in Ballungsgebieten verstärken. Zahlreiche Luftschadstoffe sind einerseits Verursacher des Klimawandels und andererseits die Ursache gesundheitlicher Probleme.

 

Der Anstieg der Durchschnittstemperaturen führt in urbanen Grün- und Freiräumen zu einer verlängerten Vegetationszeit, zu zeitlichen Änderungen in den Entwicklungsphasen und zu einem veränderten Wasserbedarf. Eine starke Vermehrung von Schädlingen und bessere Überwinterungsmöglichkeiten für diese sowie vermehrte Einwanderung Wärme liebender Generalisten, gebietsfremder Arten sowie allergener Pflanzen und Vektoren können die Folge sein. Durch Starkregenereignisse werden die Versickerungspotentiale der Grünflächen vermehrt an Bedeutung gewinnen. Durch die Verschlechterung der Luftqualität und den Anstieg der Temperaturen wird der Bedarf an Frischluftentstehungsgebieten und Frischluftschneisen steigen.

Letzte Änderung: 14.02.2014